Enki Bilal

© I. Franciosa

Enki Bilal

Enki Bilal ist seit nunmehr 40 Jahren einer der produktivsten Köpfe der Comic-, Film- und Kunstszene. Neben seiner Arbeit als Szenarist und Comiczeichner verdingt sich der Ausnahmekünstler ebenso als Drehbuchautor, Bühnenbildner und Illustrator. Mit Themen wie Technologisierung, Gewalt und Intoleranz entwirft er in seinen Werken ein zumeist zynisches Bild der Gesellschaft.

Enki Bilal wird am 7. Oktober 1951 in Belgrad als Sohn einer tschechischen Mutter und eines bosnischen Vaters geboren. 1961 wandern seine Eltern nach Paris aus. Enki entdeckte dort den Film und die Comicbücher. Nach dem Abitur studiert Bilal Kunst und Literatur. Mit 20 Jahren gewann er einen Wettbewerb des Comic-MagazinsPilote. 1971 erscheint mit Le Bol Maudit (dt. Der verfluchte Napf in Erinnerungen aus einer anderen Zeit) seine erste Geschichte in eben diesem Magazin, ab 1976 arbeitet Bilal für das Magazin Métal Hurlant. Seine frühen Kurzgeschichten zeigen ihn auf der Suche nach einem eigenen Stil. Inhaltlich kreisen sie um die Themen Science Fiction und Phantastik. Zusammen mit Jean-Pierre Dionnet entsteht 1978 der One-Shot über eine menschliche Maschine, Exterminateur 17 (dt: Exterminator 17, Alpha, ECC).

1972 lernt Bilal Pierre Christin kennen. Der Texter der Science Fiction-Serie Valerianund Veronique hatte zusammen mit Jacques Tardi die Reihe Legendes d’Aujourd’hui(dt. Legenden der Gegenwart) begonnen. Nach dem ersten Band Rumeurs sur le rouergue (dt. Aufruhr in der Rouergue, Boiselle-Löhmann) zieht sich Tardi jedoch von diesem Projekt zurück. Mit La Croisière des Oubliés (dt. Die Kreuzfahrt der Vergessenen, Carlsen) beginnt die äußert fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Bilal und Christin. Ein neues Genre ist geschaffen: der Politthriller.

Die fünf in sich abgeschlossenen Bände der Reihe thematisieren politische Themen wie den Spanischen Bürgerkrieg oder den Sozialismus. Auf La Vaisseau de Pierre (dt.Das steinerne Schiff, Carlsen) folgen La Ville qui n’existait pas (dt. Die Stadt, die es nicht gab, Carlsen/ECC), Les Phalanges de l’Ordre Noir (dt: Der Schlaf der Vernunft, Carlsen/ECC) und schließlich 1983 Partie de Chasse (dt. Treibjagd, Carlsen/ECC), das nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion um einen Nachruf auf den Sozialismus erweitert wird.

1980 erschien sein erstes eigenes Album La Foire aux Immortels (dt. Die Geschäfte der Unsterblichen, Carlsen/ECC), der erste Band seiner Trilogie Nikopol. Bilal zeichnet in dieser Trilogie das Bild einer totalitären Zukunftsgesellschaft und greift zugleich auf Elemente der ägyptischen Mythologie zurück. Dem Einstiegsband folgten La Femme Piège (dt. Die Frau in der Zukunft, Carlsen/ECC) und Froid Equateur (dt.Äquatorialkälte, ECC). In Frankreich erschien auch eine CD-ROM Fassung der Serie.La Foire aux Immortels ist Bilals erstes Werk, das er vollständig selbst getextet und gezeichnet hatte. Damit war ihm in Frankreich ein beträchtlicher Erfolg beschieden und bestätigte ihn als einen der interessantesten Autoren der achtziger Jahre.

Die meisten seiner Geschichten spielen in der mehr oder weniger nahen Zukunft und behandeln Themen wie Erinnerung, Gewalt, die immer stärker verbreitete Intoleranz und Entmenschlichung.

Mit übermalten Fotos illustriert Bilal 1984 Christins reportageartige Erzählung L’Étoilie oubliée de Laurie Bloom (dt. Los Angeles – Der vergessene Stern der Laurie Bloom, Schreiber & Leser). Nach gleichem Muster entsteht Cœurs sanglants et autres faits divers (dt. Vergessene Augenblicke, Carlsen). Zusammen mit Patrick Cauvin wirft Bilal in Hors Jeu (dt. Abseits, ECC) 1987 einen zynischen Blick auf die Zukunft des Fußballs. 2000 folgt schließlich in der Reihe Les Correspondances de Pierre Christin(dt. Die Briefwechsel von Pierre Christin, ECC) der Band Le Sarcophage (dt. Der Sarkophag), in dem Bilal und Christin über ein mögliches Museum in Tschernobyl spekulieren.

Bereits in den 80ern wendet sich Bilal mehr und mehr dem Filmgeschäft zu. 1983 zeichnet er Entwürfe für das Dekor des Films La Vie est un Roman von Alain Resnais und drehte schließlich seinen ersten eigenen Kinofilm Bunker Palace Hotel. Bilals zweiter Film Tykho Moon folgt 1997.

Mit dem Album Le Sommeil du Monstre (dt. Der Schlaf des Monsters, ECC) thematisiert Bilal 1998 den Zerfall seiner ehemaligen Heimat Jugoslawien. Unerwartet weitet er das als Trilogie geplante Werk 2007 mit dem Band Quatre ? (dt. Vier ?) auf eine Tetralogie aus.

Als avantgardistischer Comiczeichner ist Enki Bilal einer der wenigen Künstler seiner Branche, der mit Acryl arbeitet. Neben seiner Tätigkeit als Autor, Zeichner und Filmemacher, ist Bilal auch in anderen Bereichen aktiv: er gestaltet zum Beispiel Bühnenbilder und Kostüme für die Oper, Bucheinbände sowie Plattencover, darunter sogar das für die Sony-Music-CD zur Verfilmung des Comics Der Schlaf des Monsters. Außerdem hat sich Bilal einen Namen als Illustrator gemacht. Eine Übersicht über seine diversen Arbeiten zeigen Sammelbände wie Crux Universales (dt. Alpha) oderL’etat des stocks. Auch in der Kunstszene findet Bilal zunehmend Anerkennung. Zu einer Ausstellung mit Werken im Zusammenhang mit dem Nikopol-Zyklus erschein der Bildband Bleu Sang (dt. Blaues Blut, ECC). 1998 findet die Retrospektive „Visione di fine millennio“ der Werke Bilals in Mailand statt und 2001 eine Ausstellung in Liège (Belgien) unter dem Titel enkibilaldeuxmilleun (dt. enkibilalzweitausendundeins).

2004 folgte mit Immortal (alternativ: Immortel [ad vitam]) die Verfilmung der ersten beiden Bände der Nikopol-Trilogie. Bilal schrieb hierbei am Drehbuch mit und führte selbst Regie. Die Besonderheit an diesem Film ist, dass computeranimierte Charaktere und Szenerien mit echten Schauspielern im großen Ausmaß verbunden werden. Der Film stellt Schauspieler in einer beinahe gänzlich computergenerierten Welt dar und lässt dabei bewusst die künstlichen Elemente nicht erscheinen.

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