Jijé

Jijé

Das Talent des am 13. Januar 1914 in Gedinne geborenen Joseph Gillain, der später seine Werke mit dem Pseudonym Jijé signiert, wird schon früh entdeckt. Mit 14 geht er auf eine Kunstschule, bevor er im Alter von 17 Jahren in Abendkurse an der Universität in Charleroi vom Maler Léo Van den Houten lernt, zu malen ohne das Papier anzusehen.

Nachdem er ab 1932 tagsüber Kurse zu dekorativer Kunst besucht und abends an der Académie des Beaux-Arts in Brüssel lernt, absolviert Jijé seinen Wehrdienst und veröffentlicht seine ersten Comicserien in Kirchenzeitungen: Für La Semaine du Croiséentsteht von 1935-1939 Jojo (Charaktere und Zeichenstil sind noch sehr von Hergé beeinflusst) und in Les Petits Belges wird 1939-1942 seine wesentlich bekanntere zweite Serie Blondin et Cirage veröffentlicht (während dieser Serie löst sich Jijé von seinem Vorbild Hergé und entwickelt seinen eigenen Stil).

1939 tritt der kreative Kopf dem Verlagshaus Dupuis bei, um das kurz zuvor gegründete Magazin Spirou zu unterstützen. Weil während des Krieges Comicmaterial aus den USA ausbleibt, zeichnet Jijé Ersatzkapitel für Red Ryder und Superman. Kurz darauf darf er sich auch mit eigenen Beiträgen am Magazin beteiligen: Freddy Fred – Le mystère de la clef hindoue erscheint 1939, Trinet et Trinette dans l’Himalaya von 1939-1941.

Ab 1941 widmet sich Jijé vermehrt realistisch gezeichneten Comics und bringt mit Don Bosco, ami des jeunes (1941/42) und Christophe Colomb (1942-1945) seine ersten Comic-Biographien heraus. Darüber hinaus startet 1941 seine in Kooperation mit dem damaligen Chefredakteur von Spirou, Jean Doisy, erdachte Serie Jean Valhardi, détective, die besonders die jungen Leser des Magazins nachhaltig beeinflusst und Jijés Stil prägt.

Schon 1940 hatte er Rob-Vel, der zum Kriegsdienst einberufen worden war, bei der Titelserie des Magazins Spirou vertreten, die Jijé dann 1943 vollständig übernimmt und dem abenteuerlustigen Spirou den verrückten Fantasio zu Seite stellt. Mit seinen überragenden Zeichnungen sowie dem gut platzierten Humor gelingt es ihm so, die Serie in der breiten Masse bekannt und beliebt zu machen.

Nach dem Krieg kümmert sich Jijé vor allem um den künstlerischen Nachwuchs bei Dupuis. Er nimmt Will, Morris und André Franquin unter seine Fittiche und leitet auch Eddy Paape, Victor Hubinon und später Peyo und Jean Roba an. Sie begründen gemeinsam die Marcinelle-Schule des belgischen Comics, die der Brüsseler Schule von Hergé und seinen Schülern des Magazins Tintin gegenübersteht. Im Gegensatz zu den klaren Linien und dem Realismus letzterer, ist die Marcinelle-Schule von ihren stark personalisierten Zeichnungen mit flexiblem Strich und den überwiegend lustigen und fantastischen Themen gekennzeichnet.

Eine tiefe Freundschaft entsteht zwischen Jijé und Morris, Will und Franquin, die man bald La bande des quatre (“die Viererbande”) nennt. Um sich neuen Projekten widmen zu können, übergibt Jijé 1946 Spirou und Fantasio an Franquin und Valhardi vorübergehend an Eddy Paape. Er selbst setzt das Neue Testament mit der Waschtechnik in Comicform um (Emmanuel 1947) und erarbeitet nach Recherchen in Italien eine zweite Version seines Don Bosco (1949). In den USA, wohin im August 1948 Jijé, Franquin und Morris vorübergehend auswandern, stellt er den größten Teil seiner zweiten Comic-Biographie Baden-Powell fertig, die er zum Vorabdruck im Magazin Spirou per Post an Dupuis schickt.

In den folgenden Jahren entwickelt Jijé mit Gastspielen bei Spirou und etlichen Kapiteln von Blondin et Cirage besonders seinen lustigen Stil weiter. Doch auch der Realismus geht ihm nicht verloren. Er illustriert eine Serie über den “Comte de Monte-Cristo”, erstellt Waschzeichnungen für das Frauenmagazin Les Bonnes Soirées und arbeitet ab 1956 auch an Valhardi weiter, nachdem er sich 1955 eine Orangerie in dem Pariser Vorort Champrosay Draveil gekauft hat und so endlich sein Nomadenleben beendet.

1954 erfindet er Jerry Spring, den ersten bedeutenden realistischen europäischen Western (in der Gesamtausgabe seit Oktober 2010 bei ECC). Jerry Spring ist Jijés größtes und einflussreichstes Werk voller großartiger Zeichnungen und ausgeprägtem Humanismus. Es erzielt eine große Wirkung auf viele Leser und junge Zeichner wie Jean Giraud (Moebius), Derib und Hermann. Und auch wenn Jijé sich meist als Autor und Zeichner betätigt, greift er bisweilen auf Szenaristen wie Maurice Rosy, René Goscinny, Jean Acquaviva, Daniel Dubois, Jacques Lob und vor allem seinen Sohn Philip zurück.

1958 entdeckt er Moebius. Dieser tuscht bald eine Jerry Spring-Episode und steigt mit Jijés Empfehlung als Zeichner der von Jean-Michel Charlier geschaffenen Westernserie Blueberry zu großem Ruhm auf. Für diese zeichnet Jijé in Vertretung 1964/1965 im Gegenzug einige Seiten. Ab 1966 übernimmt er die von Jean-Michel Charlier geschriebene, ursprünglich von Albert Uderzo gezeichnete Fliegerserie Tanguy und Laverdure (seit Oktober 2009 als Gesamtausgabe bei ECC) und ab 1967 auch Der rote Korsar von Charlier.

Vor seinem Tod am 19. Juni 1980 zeichnet Jijé noch drei letzte Jerry Spring-Abenteuer, beschäftigt sich mit Malerei und Bildhauerei, und erfindet praktische und doch überraschende Gegenstände, die er jedoch eigentlich nie benutzt. Das beeindruckende Werk des “anderen Vaters des belgischen Comics“, das sich auf mehr als 70 Titel in 40 Jahren beläuft, erscheint seit 1991 bei Dupuis in einer chronologischen Gesamtausgabe unter dem Titel Tout Jijé.

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